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Karl Grüner:  
Virtueller Fotokurs
für Journalisten
Redaktionelle Bearbeitung
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Präsentation von Bildern im Blatt

Wie steigt der Leser in der Regel mit den Augen in eine Seite ein?

Der erste Blick fällt immer zunächst auf die Bilder, dann auf die Bildunterschrift. Die Schlagzeile folgt an dritter Stelle und dann entscheidet der Leser, ob er auch den zugehörigen Text liest. Bilder werden aber nicht nur zuerst wahrgenommen, sie werden auch besser behalten. Außerdem wecken sie leichter emotionale Einstellungen. Bilder, die durch ihre Aussage, ihre Originalität oder ein ungewöhnliches Format besonders auffallen, haben noch mehr Anziehungskraft. Ein Bild auf der Seite sollte groß sein (die "Henne"), die anderen kleiner ("Küken"). Das große sollte möglichst ein Detail, eine interessante Einzelszene, zeigen, das kleine die Totale zur besseren Einordnung des Details. Gleichförmigkeit bei mehreren Bildern sollte man vermeiden!


Welches Bild eignet sich besonders als "Henne"?
Dazu ist es wichtig zu wissen, wie Bilder überhaupt "gelesen" werden. Es gab verschiedene Theorien, z.B., dass das Bild, wie der Text, von links nach rechts gelesen wird. Die einen sagten, der Einstieg sei links oben, die anderen, er sei links unten. Das Auge würde dann einen Looping schlagen und unten rechts wieder aus dem Bild heraustreten. Inzwischen weiß man es besser: Untersuchungen am Institut für Konsum- und Verhaltenforschung der Uni Saarbrücken ergaben, dass das Auge sofort das Interessanteste in einem Bild sucht. Bei Personen ist das fast immer das Gesicht, und dort wiederum sind es die Augen. Ein weiterer Blickfang sind die Hände. Erst wenn das Wichtigste erfasst ist, werden noch weitere Details wahrgenommen.

Für die Auswahl der Bilder bedeutet das, dass man nach möglichst interessanten Motiven schauen und dann wiederum das Bild im Bild suchen sollte, d.h. den optimalen Ausschnitt, bei dem das Auge konsequent geführt und nicht durch unwichtige Details abgelenkt wird. Man muß dazu auch wissen, dass die Betrachtungsdauer im allgemeinen höchstens zwei Sekunden dauert. Entscheidend ist die erste Sekunde. Die Blickbewegung geht ruckartig im Wechsel von Fixationen und Saccaden (Sprüngen). Wichtig sind die Fixationen und dabei wiederum die ersten vier (eine Fixation dauert ca. 200-400 Millisec.), weil diese besser im Gedächtnis bleiben als die folgenden.

Bei interessanten Bildern (subjektives Interesse ist unterschiedlich!) kann es sein, dass das Auge nach dem ersten Erfassen noch einmal ins Bild zurückkehrt, um einige Sekunden zu bleiben und weitere Details zu erfassen. Man könnte daraus schließen, dass es das Beste wäre, alles Unwichtige wegzuschneiden und nur die für die Aussage des Bildes entscheidende Stelle stehenzulassen. Doch Vorsicht! Man kann damit ein Bild auch kaputtmachen. Der Hintergrund ist nämlich oft für die Stimmung eines Fotos entscheidend. Er wird meist unbewusst aufgenommen und entscheidet aber gerade dadurch, wie die Botschaft des Bildes emotional ankommt. Also nicht hemmungslos beschneiden, sondern wohl dosiert auch noch Hintergrund mit auf dem Bild lassen, wenn dieser Atmosphäre vermittelt!