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Karl Grüner:  
Virtueller Fotokurs
für Journalisten
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3. Die Fläche

Eine wichtige Funktion der Linie ist, daß sie Flächen entstehen läßt. Das können optische Flächen sein, die durch bestimmte Linienführungen scheinbar entstehen und zum andern echte Flächen mit einer eigenen Struktur, die entweder von Linien begrenzt werden (Beispiel: Wiese mit Zaun oder Feldweg; See mit Ufer usw.) oder bildfüllende Flächen ohne Gliederung durch Linien. Die geometrischen Urformen der Fläche sind Dreieck, Rechteck und Kreis. Darüberhinaus gibt es freie Formen, die vor allem in der Natur vorkommen.


Die Dreiecksfläche

Für das flächige Dreieck gelten im wesentlichen die gleichen Prinzipien wie für die Dreieckslinie. Allerdings wird das Flächendreieck häufig so im Bild stehen, daß die Basis des Dreiecks parallel zum unteren Bildrand verläuft. Meist handelt es sich nämlich um Giebel von Häusern. Dadurch entsteht eine Aufwärtsbewegung. Bei mehreren Dreiecken nebeneinander ergeben sich Gegendreiecke. Es gilt nun, die Hauptdreiecke so dominant zu platzieren, daß sie nicht durch die Gegendreiecke erdrückt werden.

Die häufigste Form der Dreiecksfläche sind die Giebel von Häusern.

Die quadratische und rechteckige Fläche


Das Quadrat ist als Bildformat nicht sehr geeignet. Durch das Gleichmaß des Rahmens ist es schwer, Spannung in das Bild zu bringen. Aber innerhalb eines rechteckigen Bildes kann man quadratische Flächen sehr wohl verwenden. Sie ergeben oft einen beruhigenden Kontrapunkt. Um das Bild aber nicht zu ruhig werden zu lassen, empfiehlt es sich, das Quadrat mit anderen Formen zu kombinieren. Beim Aneinanderreihen von Quadraten (z.B. Fensterfront) sollte man auf Abwechslung in der Struktur oder auf besondere, aus der Reihe fallende Elemente achten.
Aneinanderreihung von Quadraten: langweilig, wenn kein zusätzlicher Akzent gesetzt wird.



Das Rechteck ist die am häufigsten verwendete geometrische Form. Im Foto wiederholt es das Bildformat und sorgt fast immer für Harmonie im Bild. Damit es jedoch nicht zu harmonisch = langweilig wird, sollte man dem Rechteck eine andere geometrische oder eine freie Form als Kontrast hinzufügen.






Das Fenster als Rechteck
innerhalb des rechteckigen Bildformats
ist spannungslos, wenn
kein anderes Bildelement hinzukommt.





Die Kreisfläche


Der Kreis ist das Zeichen für Vollkommenheit und Geschlossenheit. Ist er groß im Bild, erzeugt er Spannung, da er in starkem Kontrast steht zu den geraden Linien der Bildbgrenzung. Häufig wird auch der Halb- oder Viertelkreis verwendet (Torbogen, Fenster, Gewölbe). Er ist meist mit einem Rechteck verbunden und erzeugt Bilder von großer Harmonie und Ausgewogenheit.


Halb- oder Viertelkreis
bei Gewölben oder Torbögen
wirkt immer harmonisch.


Die Kreisfläche innerhalb eines rechteckigen Bildformats erzeugt Spannung.











Freie Formen


Die geometrischen Formen sind in der Regel Kulturformen und kommen in der Natur nur selten vor. Naturelemente - dazu gehören Menschen, Tiere, Pflanzen, Landschaften, Berge, Wolken, Seen usw. - haben freie Umrisse, die nicht selten von großem ästhetischem Reiz sind. Der Fotograf muß sie aber so ins Bild bringen, dass deutliche Akzente entstehen, die dem Auge einen Fixpunkt bieten.
Die freien Formen in der Natur sind oft von besonderem ästhetischem Reiz.


Flächenstruktur

Große Flächen, die nicht mit kleineren Formen kombiniert sind, durch die sie einen Akzent erhalten, brauchen eine eigene Struktur oder (beim Colorfoto) Farbe. Beispiele: Getreidefeld mit Ähren; gekräuselte Wasserfläche, Ziegel- oder Strohdach usw.
Größere Flächen, beispielsweise Dächer, brauchen in sich eine eigene Struktur.